Negroni
12,00 €Gin, Campari, roter Wermut
um 1919 · Florenz, Graf Camillo Negroni zugeschrieben
Angeblich bat der Graf darum, den Soda im Americano durch Gin zu ersetzen. Die Geschichte ist gut, belegt ist sie nur schwach.
Samt, Messing und ein Regal voller Flaschen, das bis unter die Decke reicht. Vorn der Tresen, hinten die Lounge, dazwischen genug Platz, dass niemand sich durchquetschen muss.
Das Haus
Die Zwanziger waren in Deutschland keine Verbotszeit, sondern das Gegenteil davon. Ab 1923 lief Jazz im Radio, getanzt wurde bis in den Morgen. Das ist die Vorlage, die uns interessiert: nicht das Versteck, sondern der Ausschank.
Deshalb ist hier nichts geflüstert. Weinroter Samt, Kupfer, offene Regale und eine Anlage, die auch etwas darf. Wer Ruhe will, findet sie hinten in der Lounge, dafür ist sie da.
Das alte Nussbaumholz haben wir gelassen, wie es war. Alles Übrige ist klar und heutig gehalten. Die Mischung aus beidem ist der ganze Punkt.
Was ins Glas kommt
Klassiker mit Herkunftsangabe, dazu drei Hausmischungen mit Apfelwein und Apfelbrand aus der Gegend. Alles offen aufgeschrieben, damit man weiß, was man bestellt.
Als in den Vereinigten Staaten 1920 der Ausschank verboten wurde, gingen die besten Barleute nach Europa. Was sie in Paris und London weitermischten, steht bis heute auf jeder ernst gemeinten Karte. Zu jedem Getränk steht, woher es kommt.
Gin, Campari, roter Wermut
um 1919 · Florenz, Graf Camillo Negroni zugeschrieben
Angeblich bat der Graf darum, den Soda im Americano durch Gin zu ersetzen. Die Geschichte ist gut, belegt ist sie nur schwach.
Gin, Honig, Zitrone
1920er · Frank Meier, Hotel Ritz, Paris
Der Honig war kein Feinsinn, sondern Notwehr. Er deckte zu, was der schwarz gebrannte Gin sonst verraten hätte.
Gin, Champagner, Zitrone, Zucker
1915 · Harry MacElhone zugeschrieben, New York Bar, Paris
Benannt nach dem französischen 75-Millimeter-Feldgeschütz. 1930 im Savoy Cocktail Book verewigt.
Cognac, Orangenlikör, Zitrone
um 1920 · Paris oder London, die Zuschreibung ist bis heute strittig
Drei Zutaten, kein Versteck. Entweder er sitzt oder er sitzt nicht.
Gin, roter Wermut, Fernet Branca
um 1920 · Ada Coleman, American Bar im Savoy, London
Coleman führte die American Bar von 1903 bis 1926. Sie mixte ihn für einen Stammgast, der um etwas mit Schlagkraft bat.
Gin, grüner Chartreuse, Maraschino, Limette
um 1915 · Detroit Athletic Club
Vier Zutaten zu gleichen Teilen. Ein halbes Jahrhundert vergessen, dann zurückgeholt.
Bourbon, Campari, roter Wermut
1927 · Erskine Gwynne, Paris
Der schwerere Bruder des Negroni. Gwynne gab in Paris eine Zeitschrift heraus, die dem Getränk den Namen lieh.
Gin, Orangenlikör, Lillet, Zitrone, ein Hauch Absinth
1930 · Harry Craddock, Savoy Cocktail Book
Craddock schrieb dazu, vier davon hintereinander würden den Geist erneut austreiben.
Wir stehen in Hessen, nicht in Manhattan. Das älteste Apfelweinhaus des Landes steht ein paar Schritte weiter in derselben Altstadt. Diese drei sind Hausmischungen und geben sich nicht als historische Rezepte aus.
Apfelwein, Gin, Zitrone, Thymian
Haus · Eigene Mischung
Der Apfelwein bringt die Säure mit, der Gin die Kante. Benannt nach dem Wohnturm, der seit dem elften Jahrhundert über dem Ort steht.
Apfelbrand, Holunder, Sekt
Haus · Eigene Mischung
Das Obertor der Altstadt steht seit 1350. Der Drink ist jünger.
Roggenwhisky, Quitte, Wermut, Walnussbitter
Haus · Eigene Mischung
Der Bach, der alle vier Stadtteile verbindet, gab den Namen. Braun, ruhig, kein schneller Drink.
Rheinhessen liegt westlich, der Rheingau nördlich, beide sind von hier eine knappe Autostunde entfernt. Alle Weine gibt es offen im Glas und in der Flasche. je 0,2 l
Trocken, Apfel, Schiefer, klare Säure
Rheingau · Hessen, rechtes Rheinufer
Rund 80 Prozent der Rebfläche im Rheingau sind Riesling. Wenn ein Wein hierher gehört, dann dieser.
Trocken, Birne, Kräuter, zurückhaltende Säure
Rheinhessen · Größtes deutsches Anbaugebiet, 27.500 Hektar
Der stille Gegenentwurf zum Riesling. Passt zu allem, was salzig auf den Tisch kommt.
Trocken, Kirsche, Waldboden, feines Tannin
Rheingau · Rund 390 Hektar im Gebiet
Der einzige deutsche Rote auf der Karte. Er muss sich neben den Italienern nicht verstecken.
Trocken, dunkle Frucht, weich, warm
Apulien · Italien, Absatz des Stiefels
Der wärmste Wein auf der Karte. Für den späteren Teil des Abends.
Wir kochen nicht. Was hier steht, kommt kalt auf den Tisch und ist dafür gemacht, in der Mitte zu stehen, während geredet wird.
Grüne Oliven, gesalzene Mandeln
Haus · Geröstet mit Rosmarin und Salz
Kommt zu jedem zweiten Getränk ungefragt dazu, wenn wir Zeit haben.
Sauerteigbrot, Olivenöl, Meersalz
Haus · Brot vom Bäcker aus der Altstadt
Klingt nach wenig. Ist es auch. Wird trotzdem immer leer.
Drei Sorten, Feigensenf, eingelegtes Gemüse
Haus · Wechselnde Auswahl
Was genau darauf liegt, sagen wir am Tisch. Es ändert sich, sobald etwas Besseres da ist.
Wer fährt, arbeitet oder einfach keine Lust hat, bekommt bei uns nicht Cola mit Strohhalm.
Honig, Zitrone, Kamille, Soda
Haus · Nach dem Vorbild von 1920
Dasselbe Verhältnis wie beim Original, nur ohne den Gin, den es zu verstecken galt.
Naturtrüb, ungezuckert
Rheingau · Aus demselben Gebiet wie der Wein
Derselbe Boden, dieselbe Rebe, nur ohne Gärung. Schmeckt deutlich weniger süß, als man erwartet.
Rhabarber, Ingwer, Limette, Soda
Haus · Eigene Mischung
Lang, kalt, trocken. Hält einen ganzen Abend.
Wo wir stehen
Wann
Vorn am Tresen wird bedient, hinten in der Lounge sitzt man, bis das Licht ausgeht.
Wo